Erklärt mir das mal jemand? :: re:health

“Karzinom” hatte der Arzt gesagt. Stand auch auf dem Dokument, das sie in die Hand bekam. Im Sprechzimmer hatte sie es nicht realisiert. Zuhause schlug sie dann das Lexikon auf, was das überhaupt heißt.

An diesen Moment innerhalb des Bekanntenkreises musste ich denken, als ich – schon meine Sachen gepackt, um in eine andere Session zu gehen – doch noch sitzen blieb, um bei “Was hab’ ich?” – Vom Studentenprojekt zum erfolgreichen Social Business in einem Jahr zuzuhören.

re:health – der “Gesundheits”-Track bei der re:publica. Ich hatte brav das Notebook aufgeklappt, um bei “Arm, aber gesünder mit Facebook und Twitter” mitzutippen. Dachte, dass der Vortrag auch für eine meiner Kundinnen interessant sein könnte. Fand ihn dann doch eher fad. Viele Beispiele aus den USA, hierzulande greifen die Ideen wohl noch nicht.

Ansgar Jonietz bei seiner Session zu washabich.de

Und dann dieses StudentInnenprojekt.

Das sich innerhalb eines Jahres zur gemeinnützigen GmbH entwickelt hat. Weil viele wissen wollen, “was sie haben”. Weil ärztliche Befunde der Genauigkeit wegen ihre Fachsprache brauchen, für die PatientInnen aber unverständlich sind. Weil – das hörte ich wiederum in der vorigen Session von Kai Sostmann – aufgeklärte PatientInnen eher bereit sind zur Therapie und weiteren Vorsorge. Und vor allem: weil sich mittlerweile knapp 500 StudentInnen, etwas mehr als hundert ÄrztInnen sowie zwei Psychologinnen ehrenamtlich dafür engagieren:

Verständlich erklären, was ein medizinischer Befund bedeutet.

Wie funktioniert washabich.de?

Den ärztlichen Befund, den ich übersetzt haben möchte, lade ich anonymisiert auf der Website hoch. Oder faxe ihn. Die einzigen persönlichen Informationen, die zusätzlich notwendig sind, da sie für den Befund relevant sein können, sind das Geburtsjahr und das Geschlecht. Und eine E-Mail-Adresse, um die Übersetzung zuschicken zu können.

Den Befund übersetzen StudentInnen mit mindestens 8 Fachsemestern Humanmedizin sowie ÄrztInnen, jeweils unterstützt von SupervisorInnen.

Dass sie Durchhaltevermögen brauchen und Verantwortung übernehmen, darauf weist das Projektteam Interessierte deutlich hin. Aber: es ist auch ein Lernen. Voneinander. Miteinander. Für verständlichere Gespräche mit PatientInnen. Denn: die Übersetzungen sind für alle Mitarbeitenden sichtbar und können diskutiert werden. Auch Feedback gibt es. Mit Sternchen. Gutscheinen. Und manchmal auch mit einer Spende von den PatientInnen selbst.

Spenden – darauf ist das Projekt angewiesen. Ebenso auf Sponsoren. Partner wie den Marburger Bund oder den Krebsinformationsdienst hat “Was hab’ ich?” auch im Boot.

Oder wie Eckart von Hirschhausen hier (TV-Mitschnitt “Tietjen und Hirschhausen”, ges. 14:37 min) die Mitgründerin Anja Kersten fragt: “Eigentlich wäre das die Aufgabe von Ärztekammern oder Krankenkassen, so nen Service zu liefern.”

Tja.

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Über diese re:publica, diese enorm vielfältige Veranstaltung, die mich verschreckte Einsiedlerin ziemlich platt machte, haben viele gute Leute viele gute Blogposts geschrieben. Ich hab hier ein paar rausgefischt:

Anke Gröner: Tag 1 :: Tag 2 :: Tag 3
Claus Junghanns: http://www.kritikkultur.de/2012/05/03/macht-geile-kleine-blogs-auf-rp12-tag-2/
Patricia Cammarata: http://dasnuf.de/leben-neben-dem-leben/republica-tag-3-und-wie-waren-eigentlich-die-sessions/
und dann eher als ein Fazit (wohl am Besten mit einem Bier in der Hand zu lesen, die Kommentare sind jetzt schon sehr lang) Daniel Rehn: http://danielrehn.wordpress.com/2012/05/06/spass-ego-blogging-renaissance/

3 Kommentare

  1. Pingback: Überhaupt: Liebe | cdv!

  2. Pingback: Zusammenfassende Dokumentation re:health Track auf der re:publica 12 | Medizin und Neue Medien

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